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Fair Play Preis des Deutschen Sports

Eine gemeinsame Initiative von:

Preisverleihung 2011 in Dresden

Fußball-Profi Gerald Asamoah, Paralympics-Siegerin Katrin Green, Ehrenamtlerin Heike Schmidt und der Deutsche Frisbeesport-Verband sind die Gewinner des diesjährigen Fair Play Preises des Deutschen Sports, den das Bundesministerium des Innern und der Deutsche Olympische Sportbund am Freitag Abend in Dresden gemeinsam verliehen haben.  

Die Preisübergabe fand anlässlich des "Festes der Begegnung" der Stiftung Deutsche Sporthilfe im Eventwerk in Dresden statt. Innenstaatssekretär Dr. Ole Schröder, DOSB-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper und die beiden Fair-Play-Botschafterinnen, Doppel-Olympiasiegerin Rosi Mittermaier-Neureuther sowie Speerwurf-Ex-Weltmeisterin Steffi Nerius, zeichneten die Preisträgerinnen und Preisträger für ihre außergewöhnliche Fairness aus. 

Dr. Ole Schröder (Quelle: BMI/Rickel)

„Gerade im Sport wird deutlich, wie wichtig Fairness, die Einhaltung von Regeln und Respekt vor den Mitmenschen  für die Gesellschaft sind. Wer sich fair verhält, gerade auch in schwierigen Wettkampfsituationen, und wer sich für andere einsetzt, der macht sich gleichzeitig um den Sport und um unsere Gesellschaft insgesamt verdient. Diesen Menschen, die sich derart vorbildlich verhalten, gebührt unser Dank und unsere Anerkennung. Es ist mir deshalb eine besondere Freude, dass wir heute Menschen mit dem Fair Play Preis auszeichnen, die sich in diesem Sinne verdient gemacht haben“, erklärte Dr. Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär im für Sport zuständigen Bundesinnenministerium, anlässlich der Preisverleihung in Dresden.

Die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, sagte: "Die von uns ausgezeichneten Sportlerinnen und Sportler sowie eine Sportart, die ganz ohne Schiedsrichter auskommt, sind ein Beleg dafür, dass das Motto ‚Fair geht vor‘ ein Herzstück des Sports ist. Sich dafür einzusetzen, lohnt sich im Sport genauso wie im täglichen Leben. Gerald Asamoah, Katrin Green, Heike Schmidt und der Deutsche Frisbeesport-Verband sind Vorbilder für unsere Gesellschaft." 

Gerald Asamoah erhielt den Preis für seinen Einsatz für Gerechtigkeit im Abstiegskampf während der zurückliegenden Saison der Fußball-Bundesliga. Im Februar 2011, in der Schlussphase des Spiels gegen Hannover 96, wurde seinem damaligen Club FC St. Pauli ein Eckstoß zuerkannt, allerdings zu Unrecht, wie Asamoah auf Nachfrage des Schiedsrichters erklärte. Der Eckstoß, eine Torchance für den vom Abstieg bedrohten FC St. Pauli, wurde daraufhin nicht gegeben. Asamoah: "Ich wurde vom Schiedsrichter gefragt und habe eine Entscheidung getroffen. Dass das dann so eine Welle macht, hätte ich nie gedacht! Wichtig ist, dass wir Fußballspieler Vorbilder sind." Hannover 96 gewann die Partie, St. Pauli stieg später ab. Dennoch sah Asamoah auch im Nachhinein keine Alternative: "Da muss man ehrlich sein", begründete der gebürtige Ghanaer seine Aktion und wurde mit seiner Mannschaft an diesem Tag nicht Verlierer, sondern "Fairlierer". 

Katrin Green (Quelle: BMI/Rickel) Für Begründung bitte klicken

Die 26-jährige Katrin Green aus Leverkusen, die 2008 bei den Paralympics in Peking Gold im 200-Meter-Lauf gewonnen hatte, setzte sich bei der Leichtathletik-WM der Behinderten im Januar dieses Jahres in Christchurch/Neuseeland in außergewöhnlicher Weise für ihre schärfste Konkurrentin, die Französin Marie Amelie LeFur ein. Der Kampfrichter hatte die Spikes von Marie Amelie LeFur beanstandet, die daraufhin in normalen Turnschuhen und mit Tränen in den Augen zum Start kam. Katrin Green erkannte die Probleme der Mitfavoritin und bestand noch kurz vor dem Start darauf, dass die Französin ihre Spikes zurückerhielt. Green: "Ich wollte auf keinen Fall, dass ein Rennen auf diese Weise entschieden wird. Ich wollte, dass meine Konkurrentin – genau wie ich auch – Spikes trägt, damit es ein faires Rennen wird. Wenn ich sie dann geschlagen hätte, wäre es natürlich umso besser gewesen – aber so ist es auch gut!" Diese gewann daraufhin Gold. Green, die im Alter von fünf Jahren nach einem tragischen Unfall den linken Unterschenkel verlor, blieb Silber – und die Gewissheit, dass es ein fairer Wettkampf war.

Zeichen gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit setzt Heike Schmidt aus Cramonshagen bei Schwerin unermüdlich in vielen Aktionen seit rund 20 Jahren. Als 1992 die Bilder vom Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen durch die Presse gingen und ausländerfeindliche Ausschreitungen gegenüber Asylbewerbern Deutschland erschütterten, begann die heute 60-Jährige, sich aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zu engagieren. Selbst sportbegeistert, nutzt sie seither das Potenzial, das gerade der Sport auf diesem Feld bietet. Auf der "Toleranzmeile" ihres Vereins, des Schweriner SC, hat sie eine Vielzahl von Veranstaltungen initiiert, so etwa in diesem Jahr die "Sternenfahrt nach Schwerin", ein großes Kinder- und Jugendfußballfest. Mit viel prominenter Unterstützung, allen voran 24 Profispielern von Werder Bremen, setzten alle Teilnehmer gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit. Für die Initiatorin und Preisträgerin besonders erfreulich: die Fahrt geht weiter. Im nächsten Jahr findet die Sternenfahrt in Rostock statt! Schmidt nach der Preisverleihung: "Ich habe nächstes Jahr wieder Großes vor – und auch im Jahre 2014. Das werde ich mit aller Energie angehen! Und wenn ich bei manchem potentiellen Unterstützer zur Vordertür heraus komplimentiert werde, komme ich zur Hintertür wieder herein."

Vertreter des Frisbeesport-Verband (Quelle: BMI/Rickel) Für Begründung bitte klicken

Mannschaftssport auf höchstem Niveau ganz ohne Schiedsrichter kennzeichnet die Frisbee-Sportart „Ultimate“. Die Spielregeln basieren darauf, dass Spaß und gegenseitiger Respekt im Vordergrund stehen, dass Spieler nicht absichtlich Regeln verletzen und harte Strafen deshalb nicht nötig sind. Zu den Grundregeln gehört es deshalb, dass die gegnerischen Mannschaften ihre Konflikte selber lösen, und dies selbst in Bundesligen und bei Weltmeisterschaften. Für diese beispiellose Art, Mannschaftssport zu betreiben, wurde der in Köln ansässige Deutsche Frisbeesport-Verband (DFV) ausgezeichnet. Jens Schrader, Mitglied im Vorstand des Verbandes, sagte: "Beim Ultimate Frisbee lernen bereits Kinder und Jugendliche, was Fair Play heißt. Und dann tragen sie es in die Schule zu ihren Klassenkameraden. Das ist eigentlich das Wichtigste."

Die Preisverleihung war zugleich eine Premiere für den seit 1998 vom Bundesministerium des Innern vergebenen Fair Play Preis, denn er wird ab diesem Jahr zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund verliehen. Dies unterstreicht das gemeinsame Ziel der Preisverleihung - für die Grundwerte des Sports und insbesondere für Fair Play und Toleranz zu werben und das Bewusstsein dafür in der Bevölkerung zu stärken. Die ausgezeichneten Preisträger sind Vorbilder für andere und geben dem abstrakten Begriff „Fair Play“ ein Gesicht. Gerade auch für Kinder und Jugendliche sind solche Vorbilder wichtig. Mit dem Fair Play Preis des Deutschen Sports werden deshalb Einzelpersonen, Gruppen oder auch Initiativen gewürdigt, die durch ihre Aktionen oder ihr Engagement ein besonders gutes Beispiel für Fair Play im Sport gegeben haben.

Interviews mit den Preisträgern:

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